Liebe Tierfreunde,
mit unserem heutigen Erscheinungsdatum wird das Jahr 2023 abgeschlossen. Sicherlich für viele, so wie für mich auch, nicht immer ohne Probleme. Für mich persönlich endet dieses Jahr mit einem großen Verlust. Trotzdem möchte ich, oder genau aus diesem Grund nicht vergessen, dankbar zu sein. Dankbar, dass wir in einem Land leben in Frieden, dankbar für vieles, was ich mir vor zehn Jahren noch nicht geträumt hätte, ich möchte dankbar sein für jeden Tag, den ich mit meinem Leben und meinen Lieben verbringen darf. Ich bin dankbar für all die Kunden und Freunde, die ich seit fast 24 Jahren bei der WochenZeitung kennen lernen durfte und deren Vertrauen ich gewonnen habe. Dankbarkeit scheint mir das größte Gut zu sein und das macht es ungemein leichter, all die Dinge, die wir nicht verstehen zu ertragen. Ich bin dankbar, dass es der syrischen Familie, die 2015 nach Deutschland geflüchtet ist, gut geht. Dass sie ohne Unterstützung von mir aber trotzdem natürlich
in Freundschaft und Dankbarkeit, hier in Frieden leben kann.
Deshalb wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, dass sie im Zug ihres Lebens diese Haltestellen finden. Die Dankbarkeit als eine und ich wünsche Ihnen noch eine weitere Haltestelle, die heißen soll Respekt. Respekt vor den anderen Menschen, deren Lebensleistung und deren Herkunft. Wir alle, die wir uns hier in Sicherheit fühlen, haben nur das Glück hier geboren zu sein. Deshalb achten wir doch bitte respektvoll aufeinander. Die gilt insbesondere auch für Kinder und Tiere, da sie nicht in der Lage sind sich zu wehren. Ja, da wäre noch die Haltestelle Eigenliebe. Allzu oft vergessen wir, zumindest geht es mir so, auf mich selbst zu achten. Man übernimmt Verantwortung für Menschen, die die Verantwortung abgegeben haben und stellt sich aus diesem Grund zurück. Ein Zurück für „später“, ein Zurück für „morgen“, ein Zurück für „ist nicht so wichtig im Moment“, doch was, wenn es plötzlich kein Zurück mehr gibt? Wenn wir einen lieben Menschen verlieren, ein geliebtes Tier unerwartet über die Regenbogenbrücke geht, oder die Kinder plötzlich aus dem Haus sind. Deshalb scheint mir die Haltestelle Eigenliebe besonders wichtig. Ich habe sie in meinem Leben oft ausgelassen, um an die Haltestelle „Hilfe wird benötigt“ schnell so gelangen und auszusteigen. Machen Sie es besser, in dem sie ein Maß finden, dass Ihnen erlaubt alle Haltestellen regelmäßig anzufahren. Anbei eine Geschichte der Gebrüder Grimm, die mich nachdenklich gemacht hat.
Die Lebenszeit
Ein Märchen der Brüder Grimm
Als Gott die Welt geschaffen hatte und allen Kreaturen ihre Lebenszeit bestimmen wollte, kam der Esel und fragte ‚Herr, wie lange soll ich leben?‘ ‚Dreißig Jahre,‘ antwortete Gott, ‚ist dir das recht?‘ ‚Ach Herr,‘ erwiderte der Esel, ‚das ist eine lange Zeit. Bedenke mein mühseliges Dasein: von Morgen bis in die Nacht schwere Lasten tragen, Kornsäcke in die Mühle schleppen, damit andere das Brot essen, mit nichts als mit Schlägen und Fußtritten ermuntert und aufgefrischt zu werden! Erlass mir einen Teil der langen Zeit.‘ Da erbarmte sich Gott und schenkte ihm achtzehn Jahre. Der Esel ging getröstet weg, und der Hund erschien. ‚Wie lange willst du leben?‘ sprach Gott zu ihm, ‚dem Esel sind dreißig Jahre zu viel, du aber wirst damit zufrieden sein.‘ ‚Herr,‘ antwortete der Hund, ‚ist das dein Wille? bedenke, was ich laufen muss, das halten meine Füße so lange nicht aus; und habe ich erst die Stimme zum Bellen verloren und die Zähne zum Beißen, was bleibt mir übrig, als aus einer Ecke in die andere zu laufen und zu knurren?‘ Gott sah, dass er recht hatte, und erließ ihm zwölf Jahre. Darauf kam der Affe. ‚Du willst wohl gerne dreißig Jahre leben?‘ sprach der Herr zu ihm, ‚du brauchst nicht zu arbeiten wie der Esel und der Hund, und bist immer guter Dinge.‘ ‚Ach Herr,‘ antwortete er, ‚das sieht so aus, ist aber anders. Wenn’s Hirsebrei regnet, habe ich keinen Löffel. Ich soll immer lustige Streiche machen, Gesichter schneiden, damit die Leute lachen, und wenn sie mir einen Apfel reichen und ich beiße, hinein, so ist er sauer. Wie oft steckt die Traurigkeit hinter dem Spaß! Dreißig Jahre halte ich das nicht aus.‘ Gott war gnädig und schenkte ihm zehn Jahre.
Endlich erschien der Mensch, war freudig, gesund und frisch und bat Gott, ihm seine Zeit zu bestimmen. ‚Dreißig Jahre sollst du leben,‘ sprach der Herr, ‚ist dir das genug?‘ ‚Welch eine kurze Zeit!‘ rief der Mensch, ‚wenn ich mein Haus gebaut habe, und das Feuer auf meinem Herd brennt: wenn ich Bäume gepflanzt habe, die blühen und Früchte tragen, und ich meines Lebens froh zu werden gedenke, so soll ich sterben! o Herr, verlängere meine Zeit.‘ ‚Ich will dir die achtzehn Jahre des Esels zulegen,‘ sagte Gott. ‚Das ist nicht genug,‘ erwiderte der Mensch. ‚Du sollst auch die zwölf Jahre des Hundes haben.‘ ‚Immer noch zu wenig.‘ ‚Wohlan,‘ sagte Gott, ‚ich will dir noch die zehn Jahre des Affen geben, aber mehr erhältst du nicht.‘ Der Mensch ging fort, war aber nicht zufriedengestellt.
Also lebt der Mensch Siebeinzig Jahr. Die ersten dreißig sind seine menschlichen Jahre, die gehen schnell dahin; da ist er gesund, heiter, arbeitet mit Lust und freut sich seines Daseins. Hierauf folgen die achtzehn Jahre des Esels, da wird ihm eine Last nach der andern aufgelegt: er muss das Korn tragen, das andere nährt, und Schläge und Tritte sind der Lohn seiner treuen Dienste. Dann kommen die zwölf Jahre des Hundes, da liegt er in den Ecken, knurrt und hat keine Zähne mehr zum Beißen. Und wenn diese Zeit vorüber ist, so machen die zehn Jahre des Affen den Beschluss. Da ist der Mensch schwachköpfig und närrisch, treibt alberne Dinge und wird ein Spott der Kinder.
Eine denkwürdige Geschichte, aber wir haben es selbst in der Hand in welche Rollen wir uns begeben und wie wir die Dinge betrachten und verstehen. So gesehen, gehen wir einfach freudig ans Werk und lassen wir uns nicht zum Affen machen.😉
Ich wünsche Ihnen, Ihren Familien, unseren Freunden und Inserenten, ein wundervolles, erfolgreiches neues Jahr 2024 und viel Gesundheit.
Ihre Maike Wagner-Dittrich